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Signal der Solidarität und Zeichen der Schande

Reutlinger Vesperkirche startet am Sonntag, 13. Januar 2019, zum 22. Mal


Die Vorbereitungen für die 22. Vesperkirche (VK) „laufen sehr routiniert“, wie Pfarrer Jörg Mutschler am Mittwoch (21. November) beim Mediengespräch ausführte. Das VK-Leitungsteam weiß nach mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung genau, was getan werden muss, damit zum Startschuss am 13. Januar kommenden Jahres alles bereit steht, die Technik in der Nikolaikirche genauso funktioniert wie die Kaffeemaschine, das Essen ebenso auf seine Abnehmer wartet wie die Vesperbrote und Kuchen. Wichtigster Punkt bei alledem sind die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, die wieder vor Ort sein müssen, um den Gästen die leckeren Mahlzeiten an den Tisch zu bringen.

„Im vergangenen Jahr kam sehr gut an, dass die Menschen nicht wie in den Jahren zuvor anstehen mussten, um sich ihr Ein-Euro-Ticket zu kaufen“, berichtete Mutschler als Nachfolger von Klaus Kuntz im Amt des Vesperkirchen-Pfarrers. 2018 kostete das Essen zum ersten Mal nichts und zum ersten Mal wurden alle Gäste auch an den Tischen bedient – eben wie in einem richtigen Restaurant. Die auf den Tischen aufgestellten Spendenkassen waren laut Mutschler jeden Tag gut gefüllt, „so dass wir am Schluss genauso rausgekommen sind wie in den Jahren zuvor“, sagte Jörg Mutschler. Den Anfangsgottesdienst am ersten VK-Tag, dem 13. Januar, gestaltet im Übrigen Dr. Joachim Rückle als kommender, neuer Geschäftsführer des Diakonieverbands. Zum Abschlussgottesdienst am 10. Februar wird der ehemalige Bischof Eberhard Renz die Predigt halten.

 Spenden werden benötigt – gerne überweisen auf das Konto mit der

 IBAN: DE18 6405 0000 0100 0230 73, BIC: SOLADES1REU bei der Kreissparkasse Reutlingen

Auch für die Vesperkirche 2019 werden wieder Spenden gebraucht – und das in beträchtlichem Umfang: Zwischen 90 000 und 100 000 Euro wird „das besondere Gasthaus“ erneut benötigen, um alle Unkosten decken zu können. Dazu zählt nicht nur das Geld für das laut Ulrich Soulier „gewohnt sehr gute Essen der Bruderhaus-Großküche“, sondern auch der Vollservice von der Anlieferung, der Bereitstellung der Wärmetheke bis hin zum Spülen von Tellern und Besteck nach dem Essen. „Wenn man alles zusammenrechnet, dann würde ein Essen mit allem Drum und Dran etwa 7 Euro kosten“, so Soulier.

Zu der warmen Mahlzeit für jeden Gast kommen noch Vesperbrote hinzu, die zum Großteil von Bäckereien gespendet wurden, ebenso wie der Belag mit Wurst, für die zwei Metzgereien kostenlos sorgen. „Nur den Käse mussten wir bisher zukaufen“, sagte Soulier. Auf Kuchenspenden hofft einmal mehr Jutta Kuhk im Januar und Februar 2019 – da brauche es auch keine Anmeldung, „die kann man einfach vorbeibringen“.

 Helfer weiter gesucht

Wie Gisela Braun betonte, hätten sich nach der Anschrift von ehrenamtlichen Helfern der vergangenen Jahre bereits um die 200 Personen zurückgemeldet. „Sie wollen zwischen einmal und 29mal helfen.“ Die weiteste Anmeldung kam aus Regensburg, manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien schon deutlich älter als 80 Jahre, so Braun. „Es gibt noch ein paar wenige Lücken im Plan, die wir füllen müssen, aber alle Mitarbeiter, die sich anmelden, können sicher sein, dass sie auch eingesetzt werden“, so Braun. Für Fragen rund um die Vesperkirche (also auch für Einsatzzeiten) werden zwischen Freitag, 23. November, und Freitag, 7. Dezember, jeden Werktag (bis auf Mittwoch) zwischen 14 und 16 Uhr unter der Telefonnummer (0 71 21) 94 86 33 Fragen beantwortet.

Auch 2019 sind erneut jeden Tag etwa 23 Ehrenamtliche plus vier Personen aus dem Leitungsteam vonnöten, um den Betrieb am Laufen zu halten. „Das ist doch enorm, dass wir noch nie Probleme hatten, Freiwillige zu finden“, betonte Günter Klinger als Geschäftsführer des Diakonieverbands – unter dessen Dach die Vesperkirche vor 21 Jahren gegründet und jedes Jahr wieder durchgeführt wurde.

Wie Jürgen Rist ausführte, wird es 2019 einmal mehr Kooperationen mit Schulen geben, mit Firmen, die ihre Azubis schicken und erneut werden Konfirmations- wie auch FSJ-Gruppen die Vesperkirche besuchen. „Wir bieten Erfahrungen an, die Jugendliche sonst kaum machen können“, hob Mutschler hervor. „Und dass einige von den Jugendlichen später als ganz normale Mitarbeiter wiederkommen, ist doch ein tolles Zeichen.“ Beim Fachtag der Vesperkirchen in Stuttgart vor wenigen Wochen habe der einstige Hohbuch-Pfarrer im Übrigen erfahren, dass „der Bedarf an Vesperkirchen steigt und das zum Teil in dramatischem Ausmaß“.

 Kinderarmut steigt

Von „Bewegung hin zu einer gerechteren Gesellschaft“ sei kaum was zu bemerken. Was Mutschler besonders erschüttere, sei der Umstand, „dass die Kinderarmut steigt, mittlerweile lebt jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut“. Das sei wahrlich „eine Schande, in einem so reichen Land“. Auch mit der Reutlinger Vesperkirche werde dieses „Zeichen der Schande“ nicht beiseite gefegt – „aber wir können zumindest vier Wochen lang eine Zuflucht, eine warme Stube und warmes Essen bieten“, betonte Jörg Mutschler.

Leider gebe es obendrein traurige Veränderungen unter dem Dach der Reutlinger Vesperkirche: So ist Mutschlers Vorgänger Klaus Kuntz dieses Jahr ebenso verstorben wie vor kurzem erst Rita Singer. „Sie war ein Urbaustein der Reutlinger Vesperkirche, da tragen wir Trauer“, so Mutschler.

 Kultur in der Vesperkirche

Auch 2019 sind während der vier Wochen Vesperkirche nach den Ausführungen von Heidi Hummel wieder jeden Donnerstagabend um 19 Uhr kulturelle Highlights eingeplant: Vom Filmabend mit „Ziemlich beste Freunde“ (17. Jan.) über „Tante Friedas Jazzkränzchen“ (24. Jan.) bis zu einem „schwäbischen Abend“ mit Gerhard Raff unter dem Titel „Herr, schmeiß Hirn ra“ (31. Jan.) wird für jeden Geschmack etwas geboten. Den krönenden Abschluss am 7. Februar 2019 gestaltet dann Dietlinde Ellsässer vom Theater Lindenhof.