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Offen für alle Fragen

Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung ist in Reutlingen, Münsingen und Bad Urach gestartet


Zwei Sozialpädagoginnen sowie eine Medien- und Sozialwissenschaftlerin sind ab dem 1. Mai dieses Jahres im Landkreis für die Beratung von Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen und ihr soziales Umfeld zuständig. All dies geschieht nun unter dem Titel „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“. Iris Loehrke ist dabei für die Stadt Reutlingen zuständig, Andrea Meyle für Bad Urach und die Region sowie Julia Schäfer für das Gebiet in Münsingen und darum herum.

Nach ihren ersten Erfahrungen bestehe ihre Tätigkeit in der „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung“ darin, behinderte Menschen, ihre Angehörigen oder ihr soziales Umfeld zu unterstützen. Wenn sie etwa Fragen in Bezug auf ihre Beeinträchtigung haben. Oder wenn sie unterschiedlichste Anträge stellen müssen – etwa um Fördermittel für bauliche Veränderungen an Wohnungen zu erhalten, damit Barrierefreiheit hergestellt werden kann. „Oder wenn Eltern Rat suchen, weil ihr neugeborenes Kind die Diagnose einer Behinderung erhielt“, erläutert Ute Kern-Waidelich von der Liga für Teilhabe. Was für Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten gebe es da, in welchen Kindergarten, welche Schule könne das Kind gehen und vieles mehr? Fragen der Zuständigkeit von Pflege- oder Krankenversicherung, Eingliederungshilfe könnten geklärt werden. „Oder wenn unterschiedliche Behörden und Ämter für unterschiedliche Bedürfnisse zuständig sind“, so Julia Schäfer. „Dabei ist klar, dass wir nicht alle Fragen klären können, wir verweisen in manchen Fällen auch auf andere bestehende Spezialdienste.“ Denn mit der „EuTb“ sollen keine Doppelstrukturen aufgebaut werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der neuen Beratungsstellen: Ein Team aus sogenannten „Peer-Beratern“ soll aufgebaut werden, die laut Kern-Waidelich ganz viel Fachwissen und Unterstützung bieten könnten. Diese „Berater auf Augenhöhe“ seien Menschen, die selbst schon mit den oft schwierigen Fragen und Erfahrungen konfrontiert waren. Dabei könnten die drei Fachfrauen auf viel Vorhandenes zugreifen können: „Es gibt da ja schon ganz viele Einrichtungen, Institutionen, Selbsthilfegruppen für alle möglichen Arten der Einschränkungen“, berichtet Rosemarie Henes, ebenfalls von der Liga für Teilhabe.

Doch wie kam es überhaupt zu den „Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen“? „Vor einem Jahr waren alle Landkreise aufgerufen, solche Stellen aufzubauen, mit dem Ziel, eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu erreichen“, erläuterte Günter Klinger als Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands vergangene Woche beim Pressegespräch. Bei der Einrichtung solcher Stellen handle es sich um ein bundesweites Projekt. Und die sollten nach den Worten von Sascha Kopetzky von der Reutlinger „Liga für Teilhabe“ unabhängig sein – was ja im Namen der EuTb bereits enthalten ist.

Dabei sollte ein Eindruck vermieden werden: Dass Kostenträger oder Einrichtungen, die bereits in der Behindertenarbeit tätig sind, die Beratung so durchführen könnten, dass sie selbst davon profitieren würden. Deshalb richtete die „Liga für Teilhabe“ ihre Suche auf andere mögliche Träger. Schnell wurde nach den Worten von Rosemarie Henes mit dem Diakonieverband eine Institution gefunden, die laut Klinger „den Charme besitzt“, über ein landkreisweites Beratungsnetz zu verfügen. Gleichzeitig hatte der Verband bislang keinerlei Berührungspunkte mit der Behindertenarbeit – und gerate deshalb auch nicht in den Verdacht, zugunsten von Einrichtungen wie KBF, BruderhausDiakonie, Samariterstiftung oder andere zu beraten.

Eines sei laut Andrea Meyle bei alledem klar: „Der Mensch soll und muss bei der Beratung immer im Mittelpunkt stehen.“ Gleichzeitig sollen die Ratsuchenden in der Beratungsstelle oder auch zuhause bei den Menschen „ermutigt werden, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen“, so Meyle. Laut Henes müsse zudem zunächst, „das Gemeinwesen informiert werden, was jetzt möglich ist“. Heißt: Der Kontakt zu Bürgermeistern, Pfarrern, Verwaltungen, Vereinen solle gesucht werden, um das Angebot zunächst mal bekannt zu machen.

 

 Was ist EuTb?

 „Menschen mit Behinderung sollen in ihrem Leben mehr selbst bestimmen können“, heißt es auf der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom 24. Januar 2017. Behinderte Menschen sollen bessere Chancen am Arbeitsleben erhalten, „jede Person mit Behinderung bekommt mit dem neuen Gesetz genau die Unterstützung, die sie wegen ihrer Behinderung braucht“, so die weitere Ausführung zum sogenannten „Bundesteilhabegesetz“. Um diese gesetzlichen Vorgaben umzusetzen, sind bundesweit im vergangenen Jahr alle Städte und Landkreise aufgerufen gewesen, „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatungsstellen“ (EuTb) einzurichten.