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Gute Gespräche, aber auch Bedenken

Aktive der Liga der Freien Wohlfahrtspflege werben in der Reutlinger Wilhelmstraße für Menschlichkeit und Toleranz


Menschlichkeit und Toleranz. Nach wie vor steht dieser Titel über dem Engagement von Mitgliedern und Aktiven der Reutlinger Liga der Freien Wohlfahrtspflege. Am Samstag, 16. März, standen Vertreter der Liga einen Tag lang vor der Nikolaikirche und wollten dort verdeutlichen, für was sie stehen: „Wir sind für Menschlichkeit, Toleranz und Demokratie.“ So ist es auf der MuT-Homepage  nachzulesen. Und weiter: „Dieses Bekenntnis ist uns wichtig, weil wir eine Diskussionskultur wahrnehmen, in der immer häufiger Tabus gebrochen und Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Lebensformen, ihrer körperlichen Einschränkungen oder ihrer politischen Haltung offen oder verdeckt angegriffen und ausgegrenzt werden.“

Dr. Joachim Rückle hat an diesem Samstag als Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands zahlreiche Gespräche geführt, „mit sehr unterschiedlichen Menschen“, wie er selbst betont. Besonders gefreut habe er sich über den Kontakt und die große Aufgeschlossenheit von jüngeren Menschen und Migranten. Wie etwa von Studierenden der European School of Business, die im Rahmen einer Charity-Initiative einen Stand direkt neben der MuT-Kampagne hatten. „Ein Inder, der seit fünf Jahren in Deutschland ist, meinte, dass er nur gute Erfahrungen gemacht habe.“ Im Gegensatz zu den USA, wo die Offenheit und Toleranz geringer sei als hier. Viele der Gesprächsteilnehmer hätten der Ausgangsthese der MuT-Kampagne zugestimmt, „dass es bei uns zu viel Gleichgültigkeit gibt, weil jeder mit sich selbst beschäftigt ist“, so Rückle. Zu beobachten sei dies auch in der Wilhelmstraße, in der viele Menschen allein unterwegs sind wenig Begegnung mit anderen geschieht.

Dr. Wolfang Grulke vom Paritätischen hatte als derzeitiger Vorsitzender der Liga die Erfahrung gemacht, dass selbst „gemäßigte“ Bürgerinnen und Bürger nicht in diese eine Ecke gestellt werden wollen. Welche Ecke? „Naja, in die, wenn es dann schnell wieder heißt: Ihr macht doch wieder nur was für die Flüchtlinge, für die Ausländer, für die Anderen – aber nichts für uns Einheimische“, so Grulke. Die Zahl derjenigen, die generell vom Thema Menschlichkeit und Toleranz nichts mehr hören wollen, weil es ja doch „immer nur um die Anderen“ gehe, nehme deutlich zu, sagte Wolfgang Grulke.

„Ich hatte ein Gespräch mit einer etwa 60jährigen Dame, die sich kritisch über gewaltbereite Flüchtlinge ausgesprochen hat“, erinnert sich Joachim Rückle. „Sie stimmte aber zu, dass sich jeder Einzelne im Rahmen seiner Möglichkeiten in die Gesellschaft einbringen soll.“ Gespräche wie mit einem jungen Mann, der sich über die „Genderideologie“ aufgeregt habe und auch sonst wenig Interesse zeigte, „blieben die Ausnahme“, sagt Rückle.

Insgesamt wurden nach den Worten von Peter Donecker vom Diakonieverband fast 100 neue Unterschriften an diesem einen Tag in der Reutlinger Wilhelmstraße gesammelt, die sich ebenfalls hinter das Motto der MuT-Kampagne stellen wollen und für eine „freiheitliche, demokratische, menschenfreundliche und offene Gesellschaft“ einzustehen.

Die nächste Veranstaltung ist bereits am kommenden Mittwoch, 27. März, 19.30 Uhr, in Münsingen in der Zehntscheuer und lautet: „Der alltägliche Rassismus“.