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Ein Mann mit Herz, Hirn und Humor

Feierliche Verabschiedung von Günter Klinger aus dem Amt des Diakonieverbands-Geschäftsführers in der Eninger HAP-Grieshaberhalle


„Sehr geehrte Petra Pfeiffer-Klinger – Sie erhalten jetzt im Ruhestand Ihres Mannes für halb so viel Geld doppelt so viel Mann“, sagte Landrat Thomas Reumann augenzwinkernd am Mittwochabend während der Verabschiedungsfeier von Günter Klinger in der Eninger HAP-Grieshaberhalle. „Schade, dass Sie gehen“, hatte Reutlingens Landrat zuvor betont – und das auch, obwohl: „Bequem sein, war nicht Ihr Anspruch, das weiß ich selbst ganz genau“, so Reumann.

„Ich weiß nicht, ob der Ruhestand zu dir passt, so wie du gestrickt bist“, mutmaßte hingegen Wolfgang Budweg vom Forum Diakonie. Schließlich hatte auch Prälat Dr. Christian Rose in seinen einführenden Worten über den nun aus dem Amt scheidenden Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands angemerkt: „Sie sind ein Mann der Tat.“

Und Rose hatte auch erwähnt: „Wer mit Ihnen zu tun hatte, der hat erlebt, wie Sie zupacken.“ Genau diesen Aspekt von Klinger hatten Mitarbeiter des Diakonieverbands in einem kurzen Sketch auf der Bühne der Halle ebenfalls hervorgehoben: „Ich dachte beim ersten Händedruck von Günter Klinger, der zerdrückt mir meine Hand, wie einst der Seewolf eine rohe Kartoffel.“ Den „zupackenden Händedruck“ hatte auch Dekan Norbert Braun als Vorstandsmitglied des Diakonieverbands im Blick: „Sie haben immer Wege gesucht und sie gefunden, Sie haben Hilfe ermöglicht, anstatt sie zu verhindern.“

Vesperkirchenpfarrer Jörg Mutschler bezeichnete Klinger als „genialen Moderator und begeisternden Überzeuger mit überwältigendem Humor“. Gertrud Schief aus dem Leitungsteam der Vesperkirche hatte vor allem eines betont: Das Bedauern über das Ausscheiden des Diakonieverbands-Geschäftsführers.

In der Grieshaber-Halle war am Mittwochabend alles versammelt, was in der Stadt und im Landkreis Reutlingen mit dem Sozialen zu tun hat. Vertreter von sozialen Einrichtungen, Kirchen, Politiker aus Stadt und Landkreis sowie eine Große Zahl ehrenamtlich Engagierter aus allen möglichen Bereichen. Und alle 300 Gäste waren gekommen, um sich von Günter Klinger zu verabschieden. Kein Wunder, dass Reumann die Anwesenden mit „sehr geehrter Fanclub von Günter Klinger“ begrüßte?

Gabriele Beier hatte zwischen den Beiträgen der kräftig auftrumpfenden Truppe der „Beatstompers“ hervorgehoben: „Deine große Leidenschaft war deine herausragende Eigenschaft.“ Obendrein sei Klinger mit „optimistischem Charme“ ausgestattet ebenso wie mit „Optimismus, äußerster Dynamik“ und einem Wesen, mit dem er anderen Menschen immer wieder Mut mache. „Sie sind ein Urgestein in der sozialen Landschaft des Landkreises“, fügte Thomas Reumann hinzu. „Sie sind einer, der sich einmischt, Sie waren Vordenker und Impulsgeber, einer der Tacheles redet, dem der ganze Mensch wichtig ist.“

Und Günter Klinger habe laut Reutlingens Oberbürgermeisterin stets „unbürokratische Hilfe, die sich am Menschen orientiert, angeboten“, so Barbara Bosch. Und wenn es kein passendes Hilfsangebot gab, dann sei Klinger „ein Fuchs“ gewesen, Angebote zu gestalten, zu erschaffen und vor allem auch, die Finanzmittel dafür zu finden. Dieter Kaufmann überreichte Günter Klinger für seine fast 25jährige Tätigkeit im Reutlinger Diakonieverband das „Kronenkreuz der Diakonie in Gold“ und lobte „seine Unerschrockenheit, seine Kreativität und Vorbildlichkeit“, wie der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg als wesentliche Merkmale Klingers. Wolfgang Grulke sagte als derzeitiger Vorsitzender der Liga der Freien Wohlfahrtsverbände in Reutlingen: „Dass wir fünf Verbände so gut aufgestellt sind – das hat mit dir zu tun.“

Neben einem Hut, einer Mütze aus Nepal, zwei Schals bekam Günter Klinger auch noch ein paar Langlaufski geschenkt: „Ein Gaul passte nicht auf die Bühne und ein Ballonflug, da hätte er Angst“, meinten seine bisherigen Mitarbeiter. Passgenau seien hingegen die Ski, „das ist gut fürs Alter“, sagte Hartmut Nicklau. Warum? In den Loipen könne man sein Ziel nicht verfehlen, weil der Weg immer deutlich vorgegeben sei.

Mahnend hatten sowohl Gabriele Beier als Vorstandsvorsitzende des Diakonieverbands wie auch Klinger selbst und Rosemarie Henes auf einen möglichen Rechtsruck in der Gesellschaft gewiesen: „Unsere Demokratie wird brüchig, wir müssen alle einstehen für unsere Werte“, sagte Beier. Und Henes verteilte Klammern dazu – „für den Zusammenhalt in der Gesellschaft“, wie sie betonte.

(Artikel im Reutlinger General-Anzeiger und in den Reutlinger Nachrichten am 1.2.19)