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Begegnungen der besonderen Art

Diakoniebeauftragte aus den Kirchenbezirken Bad Urach-Münsingen und Reutlingen begaben sich auf ungewohntes Gelände in der Landwirtschaft


Sind Sie schon mal von einem Rind abgeleckt worden? Am Rücken, am Ärmel und fast auch im Gesicht? So weit kam es am Samstag auf der Weide der Familie Rauscher, als Diakoniebeauftragte der Kirchenbezirke Bad Urach-Münsingen und Reutlingen sich nach dem thematischen Vormittag im Evangelischen Gemeindehaus in Meidelstetten zu einer Begegnung der etwas anderen Art mit Rindern, Kühen und Büffeln in Ödenwaldstetten begaben. Natürlich sollte sich niemand auf die Weide wagen, den die Vierbeiner nicht kennen – und mit Hund würde das wahrscheinlich in einer Katastrophe enden, führte Helmut Rauscher aus.

Am Morgen hatten die rund 15 Diakoniebeauftragten angeregt diskutiert, über das, was ihre eigene Tätigkeit ausmacht: „Ehrenamtliches Engagement im Wandel – Von der Kontinuität zur Kreativität.“ Genau zu dem Thema hatte Gabriele Blum-Eisenhardt zuvor einen Vortrag gehalten, über die Schwierigkeiten, heute  und in der Zukunft Freiwillige zu finden, die sich engagieren wollen. „Es geht um eine künftige Einflugschneise ins Ehrenamt“, hatte Diakon Jürgen Rist betont. Ein großes Problem: „Immer seltener wollen Ehrenamtliche Leitungsfunktionen übernehmen“, sagte Blum-Eisenhardt als Ehrenamtsbeauftragte der Samariterstiftung. Aber: Das Bedürfnis zum Engagement sei nach wie vor vorhanden und auch groß – allerdings wollten die Ehrenamtlichen selbstverantworteter über ihre Tätigkeit bestimmen. „Und die Begegnung mit anderen Menschen soll vor allem Spaß machen.“ Dabei gehe es den Engagierten vor allem um den Austausch mit anderen Menschen, mit Gleichgesinnten. Und das vor allem zeitlich begrenzt. Und eben selbstbestimmt.

„Die Diskussion über die künftigen ehrenamtlichen Strukturen unter den Diakoniebeauftragten ging dann vor allem in die Richtung, wie Kirchengemeinden sich weiterentwickeln müssen, um weiter Ehrenamtliche anzusprechen“, berichtete Günter Klinger als Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands. „Es braucht eine neue Klinke für Interessierte, damit sie den Weg zum Ehrenamt finden“, sagte Jürgen Rist. Schwierig, diese neue Klinke zu finden, sei es allein schon deshalb, weil heute nach den Worten von Ina Kinkelin-Naegelsbach „viele der ehrenamtlich Engagierten bis zu sieben Ehrenämter gleichzeitig leisten“. Künftig sei das voraussichtlich kaum mehr denkbar. Aber wie wird es weitergehen, mit dem Ehrenamt, mit den neuen Strukturen? Eine Möglichkeit sei laut Blum-Eisenhardt die Initiative „Lebenswert“ an der Reutlinger Kreuzkirche – wo sich Menschen mit gleichen Interessen finden, wo es eine riesige Zahl an Projekten gibt, wo jede und jeder eine eigene Initiative starten könne oder bei einer bereits bestehenden mitmachen.

Nach dem anschließenden Mittagessen im Adler in Meidelstetten fuhr die Gruppe zur Hofkäserei in Ödenwaldstetten, „wo es einen Einblick in die Landwirtschaft gab“, wie Kinkelin-Naegelsbach betonte. Die Landwirtschaft war aber keine ganz gewöhnliche, sondern eine mit Wasserbüffeln, die zu Albbüffeln wurden. „Wie heißt es denn richtig? Der, die oder das Büffel“, fragte Helmut Rauscher zu Beginn der Führung. Klar, der Büffel, sagte eine der Führungsteilnehmerinnen. „Dann versuchen Sie mal der Büffel zu melken“, antwortete Rauscher augenzwinkernd.

Und warum es heiße, stur wie ein Büffel zu sein? Oder beim Studium enorm zu büffeln? „Büffel sind viermal so stark wie ein Pferd, wenn sie ein Ziel erreichen wollen, setzen sie ihre ganze Kraft ein, konzentriert, stur, zielgerichtet“, so Rauscher. „Die Natur ist so was Herrliches, da gibt es nichts, was nicht gebraucht wird“, berichtete der Landwirt über die Faszination seines Berufs. Und: „Die Themen, die heute Nachmittag hier angesprochen wurden, haben sehr viel mit Diakonie zu tun“, resümierte Kinkelin-Naegelsbach als Organisatorin des Begegnungstags der Diakoniebeauftragten abschließend. „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ seien sowohl in der Kirche, der Diakonie wie auch in der Landwirtschaft die Basis.