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Arbeitgeber und Arbeitsuchende an einem Tisch

2. Interkulturelle Männerabend im Matthäus-Alber-Haus brachte Geflüchtete und Unternehmer zusammen


Pünktlichkeit sei wichtig. Und „ein gewisses handwerkliches Geschick, wie auch eine gewisse Freude an der Arbeit“, sagte Hubert Berger am Montagabend beim 2. Interkulturellen Männerabend im Matthäus-Alber-Haus. Der Reutlinger Bäckermeister war einer der Arbeitgeber, der zu der Veranstaltung gekommen war, um über seine Erfahrungen mit Geflüchteten als Arbeitnehmer im eigenen Betrieb zu berichten. Eingeladen hatte der Diakonieverband, die Evangelische Bildung und Mahdy Shaltout als ehrenamtlicher islamischer Seelsorger.

Rund 50 Personen waren gekommen, „das Thema am heutigen Abend ist Arbeit“, hatte Eberhard Schütz eingeleitet. Und Hubert Berger betonte: „Ich habe fast nur positive Erfahrungen mit den Geflüchteten als Mitarbeiter gemacht.“ Fünf junge Männer aus Togo, Syrien, Afghanistan und Nigeria sind bei Berger beschäftigt. Der Rest seiner 25köpfigen Belegschaft sei zunächst allerdings „skeptisch“ gewesen, wie der Bäckermeister berichtete. Doch die Vorbehalte seien gewichen, „die Flüchtlinge haben durch ihre Leistung überzeugt“. Dennoch: Es sei ein Prozess gewesen, der nicht immer einfach war.

Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Sprache hätten die neuen Mitarbeiter mitbringen müssen und auch „dass sie mit Autoritäten umgehen können“. Diesen Aspekt hatte auch Martin Schübel als Geschäftsführer der Firma Schöpfer hervorgehoben: Drei Syrer sind in der Firma beschäftigt, ein weiterer habe allerdings gehen müssen, weil er sich von einer Frau nichts sagen lassen wollte. „Der Mann saß auf dem Beifahrersitz in einem Auto, die Frau sagte, er möge sich anschnallen, doch er weigerte sich“, so Schübel. Nach mehreren Vorfällen dieser Art habe der junge Mann wieder entlassen werden müssen. Ähnlich hatte es auch Berger berichtet: „Dass Frauen hier Vorgesetzte sind, das ist normal, da müssen sich die neuen Mitarbeiter dran gewöhnen.“ Allerdings hätten auch längst nicht alle Geflüchteten ein Problem damit, so Schübel. Ganz wichtig sei für die Geflüchteten zudem, „dass sie auf ihre Papiere achten“, betonte Berger. Ein junger Mann aus Togo, der eine Ausbildung bei Berger gemacht hatte, tat das nicht, „jetzt wurde der Geselle von der Ausländerbehörde mit einem Arbeitsverbot belegt“, so der Bäckermeister.

Vier der geflüchteten Berger-Mitarbeiter arbeiten nach einem Praktikum in der Backstube mit, ein Afghane „mit viel Charme steht hinter der Theke und verkauft“. Auffällig sei das Verhältnis in der Bäcker-Klasse der Reutlinger Berufsschule: „Unter 16 Bäcker-Azubis sind elf Geflüchtete und fünf Deutsche“, sagte Hubert Berger.

Martin Schübel berichtete, dass die Erfahrungen in der Bäckerei fast eins zu eins auch denen in dem Werbeunternehmen entspreche: Auch er hob Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Motivation als wichtige Kriterien hervor, führte aber auch „Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit“ an. Und dass die hiesigen „Wertvorstellungen akzeptiert werden“. Die drei Syrer, die mittlerweile seit einigen Jahren bei Schöpfer arbeiten hätten all das mitgebracht. Und sich durchgesetzt.

Dass Geflüchtete momentan sehr gute Chancen auf einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz hätten, betonte auch Stefan Rechthaler: Der „Jobmentor“ des Diakonieverbands versucht, in seiner Arbeit „Flüchtlinge über Helfertätigkeiten in Jobs zu bringen“. Der Fachkräftemangel sei groß, die Nachfrage nach Arbeitskräften enorm – und dementsprechend groß auch die Chancen für Geflüchtete, in eine Tätigkeit zu kommen, die zu den jeweiligen Personen passe, sagte Rechthaler. So habe der Jobmentor etwa einen 65jährigen afghanischen Musikinstrumentenbauer bei einem Gitarren- und Geigen-Großhandel in Tübingen untergebracht. „Er ist dort jetzt in einer Vollzeitbeschäftigung und die Firma will sogar einen eigenen Bereich mit arabischen Instrumenten aufbauen“, berichtete Rechthaler über einen seiner liebsten Erfolge.

Am Montagabend waren aber noch mehr Arbeitgeber da – aus der Gastronomie etwa, von einer Bank und ein Ingenieur aus dem Installationsbereich. Schnell entwickelten sich an diversen Tischen intensive Gespräche, viele der Geflüchteten waren auf Arbeitssuche und zeigten sich froh über die direkten Gespräche. Und Stefan Rechthaler vermittelte mit seinen vielfältigen Kontakten einmal mehr Arbeitsuchende an Arbeitgeber. Abschließend verwies Peter Donecker noch auf die Möglichkeit für die Geflüchteten, sich Hilfe bei Bewerbungspapieren und Lebensläufen im Integrationszentrum im Ringelbachgebiet zu holen. „Der Abend hat sich absolut gelohnt“, zog Frieder Leube als Leiter der Evangelischen Bildung ein durchweg positives Fazit.