Germania in Münsingen vorerst gerettet
Artikel aus dem Alb-Boten von Gudrun Grossmann vom 24. Dezember 2011
Münsingen. Selten hat ein Beschluss des Gemeinderats für so viel Zündstoff gesorgt. Die abgelehnte Unterstützung für die Germania haben jetzt die Bürger wieder wett gemacht - mit vielen Einzelspenden.
Nach der Gemeinderatssitzung im November sah es zappenduster aus, ganz so, also würden in der Germania bald die Lichter ausgehen. Ein Zuschuss in Höhe von 4000 Euro wurde mehrheitlich abgelehnt, weil es generell keine Unterstützung für Vereine gebe. Keine größere Rolle schien dabei der in Aussicht gestellte Zuschuss der Paul-Lechler-Stiftung zu spielen, die mit jährlich 25 000 Euro einsteigen wollte - vorausgesetzt es handelt sich um ein Projekt, das von der Stadt unterstützt wird. Im Nachhinein zeigte der ablehnende Beschluss, dass das soziale Netzwerk sehr wohl in der Bevölkerung verankert ist, dass das "Nein" im Sitzungssaal im Gegensatz zum "Ja" draußen im wahren Leben steht.
Anders lassen sich die Reaktionen nicht erklären. Es gab entrüstete Leserbriefe, eine gemeinsame Erklärung des "Münsinger Forums Diakonie" und Rückendeckung von Bürgermeister Mike Münzing persönlich, der die Position der Stadtverwaltung deutlich machte, die sehr wohl hinter der Germania stehe, ist diese doch aus einem Agenda-Projekt heraus entstanden und bei einem Begegnungstag 2003 auf den Weg gebracht worden.
Viel deutlicher als Worte aber sind die Taten: Innerhalb von wenigen Wochen sind 2455 Euro an Einzelspenden auf dem von der Stadt eingerichteten Konto eingegangen. Für Anna Jenny, die die "Aktion Viertausend" initiiert hatte, den Vorsitzenden Jan-Dirk Naegelsbach und Dr. Siegfried Hahn als Mitunterstützer ist dies ein deutliches Zeichen der Bevölkerung, eins, das zeigt, dass diese Einrichtung auf einer breiten Basis steht. Mit einer Einzelspende in Höhe von 1000 Euro und der sehr schnellen Zusage der Münsinger Apotheken (außer Doc Morris) die nicht genehmigten 4000 Euro zu stellen(wir berichteten) ist nun das Konto auf 7455 Euro angestiegen, was in etwas "die halbe Miete" ist, denn 25 000 Euro muss der Trägerverein jährlich stemmen, um die Begegnungsstätte betreiben zu können. Etwa 13 000 Euro kommen über die Bruderhausdiakonie herein, die die Gaststätte betreibt.
Durch die Spenden und die Paul-Lechler-Stiftung, die ihre Zuschüsse in Höhe von jährlich 25 000 Euro (vorausgesetzt die andere Hälfte wird vom Trägerverein getragen) auf drei Jahre angelegt hat, ist die Germania wieder im grünen Bereich. "Zumindest für das Jahr 2012", wie Jan-Dirk Naegelsbach vorrechnet, nicht ohne zu vermerken, dass man in einem Jahr wieder am gleichen Punkt steht und erneut bei der Stadt vorsprechen wird. Es wird spannend, wie sich die Gemeinderäte, die jetzt mit Nein gestimmt haben, verhalten. Die Empörung, die in vielen Gesprächen, so Naegelsbach, zum Ausdruck gebracht wurde, dürfte ihnen nicht entgangen sein. Auch Dr. Siegfried Hahn kann über viele entsprechende Reaktionen berichten: "Man hat die Stimmung in der Stadt mitbekommen." Gut, dass bei den Diskussionen auch manches Vorurteil ausgeräumt werden konnte. So habe es Vermutungen gegeben, die Stadt würde ohnehin die Einrichtung finanzieren, was gänzlich falsch ist. "Es war das erste Mal, dass ein Antrag gestellt wurde", erklärt Naegelsbach.
In den ersten Jahren bis 2007 gab es eine Förderung durch den Bund, danach übernahm der Diakonieverband Reutlingen für zwölf Monate einen Teil der finanziellen Verantwortung bis schließlich die Stiftung Kinderland mit einem auf drei Jahre begrenzten Zuschuss in Höhe von jeweils 19 000 Euro den Fortbestand sicherte. "Ohne Fördermittel ist es utopisch, die Germania zu führen", sagt Naegelsbach und verweist auf andere Städte, die sich im sozialen Bereich mehr engagieren. Eine "nachhaltige Sicherung" sei anzustreben.
Diese würde auch mehr Raum für die Arbeit geben. Denn Pläne gibt es genug. So soll zum Beispiel eine "Ehrenamtsbörse" eingerichtet werden, ein Pool, bei dem alle, die sich einsetzen wollen an jene vermittelt werden, die Hilfe brauchen. Anna Jenny: "Wir wollen vermitteln und begleiten, Brücken schlagen." Ein Dank gelte allen Spendern, die dafür gesorgt haben - oder es noch tun werden - dass in Münsingen so etwas überhaupt noch möglich ist.
Info Spenden können unter dem Stichwort "Aktion Viertausend" bei folgenden Konten eingezahlt werden: Volksbank Münsingen, BLZ 64091300, Konto 650 005, KSK Münsingen BLZ 640 500 00, Konto 100 1754.
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