Hohbuch-Café
Schülerprojekt ist finanziell gesichert
Hohbuch - Schülerkochprojekt ist finanziell gesichert. Lehrer schwärmen über die Erfolge am Herd und im Service
Wenn Schüler kochen: Schmackhafte Lerneffekte
Von Norbert Leister
REUTLINGEN. Begeisterung hört sich anders an: »Hier sind zu viele Mädchen und zu wenig Jungs«, frotzelt Jan. Er ist 16 Jahre alt - ebenso wie Michael und die Mitschülerinnen der Wilhelm-Maybach-Schule, die jeden Donnerstag im Hohbuch-Café den Kochlöffel schwingen, Gemüse putzen und schneiden, Fleisch anbraten, aus allen Zutaten ein gelungenes Essen zubereiten. »Bedienen ist besser als Karotten oder Kartoffel schälen«, sagen Gilda, Melanie und Manuela, die damit die Meinung fast aller sieben Jugendlichen vertreten.
Den Grund erläutern Brunhilde Braun, Traudel Iwert und Volkmar Härtel. Sie sind Lehrer an den drei Förderschulen, aus denen ein Schuljahr lang jeweils zehn Schüler an unterschiedlichen Tagen am Kochprojekt teilnehmen. »So viel Lob wie hier kriegen die Schülerinnen und Schüler sonst nirgendwo«, betont Iwert, die mit Karin Wagner von Anfang das Projekt an der Oberlin-Schule für Erziehungshilfe betreut.
»Unsere Schüler haben selten die Möglichkeit, stolz zu sein.« Viel zu oft müssten die Teenager im Alter zwischen 13 und 16 Jahren einstecken. »Hier gewinnen sie hingegen viel Selbstvertrauen«, betont Braun von der Wilhelm-Maybach-Schule.
Allerdings müssen sich die Schüler das Lob der Gäste erst verdienen: Wenn die Jugendlichen einmal in der Woche das Essen im Hohbuch-Café zubereiten, geschieht das nach einem festen Plan, sodass alle wissen, was sie zu tun haben. Die Essensliste stellen die Lehrer mit Hauswirtschaftsmeisterin Karin Schenk, die den gastronomischen Betrieb leitet, zusammen. Aufgebracht hatte Pfarrer Jörg Mutschler die Idee des Hohbuch-Cafés vor vier Jahren: »Er wollte was für die Wohngegend hier tun, in der viele Aussiedler wohnen«, erinnert Schenk an die Anfänge. Jung und Alt, Migranten und Deutsche, Studenten und Spätaussiedler sollten in dem Café zusammenkommen. Die Finanzierung des Projekts ist nun weiter gesichert, das Jobcenter gibt genauso Gelder wie der Europäische Sozialfonds. Und das Konzept geht auf: Täglich kommen zwischen 30 und 70 Gäste, lassen sich das Menü schmecken. Bisweilen üben sie aber auch Kritik.
Dabei lernen die Jugendlichen in dem besonderen Café eine ganze Menge, nämlich: »frische Grundnahrungsmittel saisongerecht zubereiten«, wie Schenk weiß. Weitere Lerneffekte sind Pünktlichkeit, Freundlichkeit gegenüber den Gästen, Durchhaltevermögen, Teamarbeit und noch viel mehr.
Den drei Lehrern ist die Begeisterung für das Kochprojekt deutlich anzumerken. »Das macht uns und den Schülern Spaß«, sagt Volkmar Härtel von der Bodelschwingh-Schule. Vielleicht wollen die Wilhelm-Maybach-Schüler, die jeden Donnerstag im Hohbuch-Café kochen, das nur nicht zugeben. Immerhin: Einige mögen die Arbeit am Herd denn doch lieber als den Unterricht in der Schule.
Sibel und Antigone wickeln gerade Besteck in Servietten ein und beide betonen, dass sie den Kontakt mit den Besuchern im Café sehr schätzen. In der Küche stehen währenddessen Michael und Jan am Kochtopf, braten Fleisch an, große Gewürzdosen neben sich. Und das klappt tatsächlich? Rund 60 Portionen richtig zu würzen?
»Kein Problem«, sagt Jan, der offensichtlich den Mund gerne ein bisschen voll nimmt. Ob das auch beim Essen so sein wird? »Die Schüler mögen sehr, was sie gekocht haben«, wissen die Lehrer aus der Erfahrung der vergangenen Jahre. Und: »Die Jugendlichen lernen hier fürs Leben, denn hier wird Realität eingeübt«, betont Härtel. Und obendrein haben sie mit dem Gelernten auch noch deutlich bessere Chancen bei der Ausbildungssuche, erläutern die Lehrer. (GEA)
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