21.07.2009

Sozialbericht

 

Das Vorhaben sucht weit über den Landkreis Reutlingen hinaus seinesgleichen: Gemeinsam gehen die Liga der Freien Wohlfahrtsverbände unter Federführung des Diakonieverbandes Reutlingen mit Landkreis, Stadt und Jobcenter einen Sozialbericht für den Kreis an. Zum Einstieg steht die Lage der Alleinerziehende im Mittelpunkt.

 
Neben dem gängigen Daten- und Faktenmaterial, so der Geschäftsführer des Diakonieverbandes und Liga-Vorsitzender Günter Klinger bei der Vorstellung des Vorhabens, soll der Sozialbericht die Lebenslagen von Betroffenen widerspiegeln – beispielhaft an der Schilderung konkreter Schicksale und durch Interviews mit Betroffenen. Dadurch versprechen sich Klinger und die beteiligten Institutionen differenzierte Perspektiven und verschiedene Blickwinkel. Darüber gewinnt der Sozialbericht an Gestalt, wird nachvollziehbarer, lebensnäher.
 
In der Vergangenheit, erläutert Klinger, erstellten die drei Behörden (Kreis, Stadt, Jobcenter) und fünf Verbände (Diakonisches Werk, Caritas, DRK, AWO und Paritätischer Wohlfahrtsverband) zwar schon Berichte, doch jeder getrennt für seinen Bereich und ohne Blick auf den anderen. Das soll sich durch den gemeinsamen Sozialbericht ändern, der zur sozialen Landkarte des Kreises werden soll.
 
Gleichzeitig ist beabsichtigt, aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen abzuleiten, also nicht bei einer theoretischen Bestandsaufnahme zu verharren sondern konkret zu werden. Dazu wird analysiert, welche Hilfen schon gut funktionieren und an welchen Stellen nachgebessert werden muss. Schließlich, sagt Joachim Haas, der Leiter des Sozialamtes der Stadt Reutlingen, sitzen alle Akteure an einem Tisch. „Gerade vor Ort in den Kommunen ist Vieles umsetzbar“, ergänzt Achim Scherzinger vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Als Beispiel nennt Scherzinger Schulmittagessen und Erstausstattung.
 
Und noch eine Besonderheit wird die Aufstellung bieten. In ähnlichen Darlegungen werden üblicherweise sämtliche relevanten sozialen Themen aufgegriffen – auf Kosten der Tiefe in der Darstellung. In Reutlingen gehen die Beteiligten daher den umgekehrten Weg, wie Klinger berichtet. Im Fokus der Betrachtung steht jährlich wenige Themen oder teilweise auch nur ein Einziges. „Wir erhoffen uns natürlich dadurch eine größere Intensität des Berichts“, meint Barbara Kiefl, Leiterin des Kreisjugendamts.
 
Sind alle relevanten Bereiche abgearbeitet, soll mit einem neuen Zyklus wieder von vorne begonnen werden – zum einen um den Bericht langfristig fortzuschreiben, zum anderen um Entwicklungen differenzierter auszumachen. Moderiert wird die erste Runde kostenlos von Dr. Jürgen Strohmaier vom Kommunalen Verband für Jugend und Soziales (KVJS). Strohmaier moderiert die Gruppe der Fachexperten, in die jede Behörde und jeder Verband einen Vertreter entsendet. Zwei Runden haben bisher stattgefunden. An den Kosten für Fachtage und Referenten beteiligen sich Kreis und Stadt in gleicher Höhe finanziell.
 
Zum Einstieg wurde die Gruppe der Alleinerziehenden gewählt. Im Landkreis Reutlingen sind das an die 11 000 (vorwiegend) Frauen und Männer. Zum Vergleich: im Reutlinger Kreisgebiet leben etwa 260 000 Menschen. Allein das Jobcenter betreut rund 1200 Alleinerziehende (bei knapp 6000 Personen in der Summe). Ausgewählt wurde Alleinerziehende, da sie eine „überschaubare“ Gruppe bilden - mit oft gleichen Problemlagen, zum Beispiel bei Arbeitssuche oder Kinderbetreuung. Während das Datenmaterial von den Behörden kommt, werden die Verbände die Lebenslagen Alleinerziehender beschreiben. Für die Interviews ist eine Zusammenarbeit mit der Uni Tübingen im Gespräch. Die Ergebnisse, sagt Klinger, sollen spätestens im Frühjahr 2010 veröffentlicht werden.
 
 

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