22.09.2009

Erfolgsgeschichte

 

Fünf Jahre Tafel in Bad Urach: Für den Diakonieverband als Träger der Arbeit war dies Grund, das Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür zu feiern – wenn auch mit etwas zwiespältigen Gefühlen. Basiert die Erfolgsgeschichte der Tafel doch auf der Armut ihrer Kunden. Die nackten Zahlen belegen: Immer mehr Menschen sind auf die Tafel mit deren Angebot an Lebensmitteln angewiesen. Rund 120 Frauen und Männer kaufen inzwischen jede Woche in der Bad Uracher Tafel ein.

 
„Sie sind es, die der Tafel ein Gesicht geben“, hob Susanne Schur. Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle in Bad Urach, das hohe Engagement der ehrenamtlichen Tafelmitarbeiter hervor. Nur durch ihren Einsatz und ihre Kreativität sei ein Tafelladen in der Kurstadt möglich. 57 Ehrenamtliche bringen sich insgesamt ein. Die älteste Mitarbeiterin ist 80 Jahre alt, die jüngste Mitte 40. Die Arbeit lebt vom Freiwilligenengagement der älteren Generation: 42 Mitwirkende sind 60 Jahre und älter. Und Frauen überwiegen. 45 Frauen stehen zwölf Männer gegenüber.
 
Bester Beleg für das gute Miteinander ist die Tatsache, dass das Gros der Ehrenamtlichen seit Tafelgründung mitmacht, also immerhin schon seit fünf Jahren. Die Mitarbeiter werden von Susanne Schur intensiv in der Arbeit begleitet. Gelegentliche Ausflüge, Betriebsbesichtigungen. Weiterbildungen gehören ebenfalls zum Rahmen dazu.
 
Für Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann bildet das herausragende bürgerschaftliche Engagement die Basis für eine gelingende Tafelarbeit in Bad Urach. „Sie leisten eine Arbeit die unbezahlbar ist“, sagte der Rathauschef in seinem Grußwort zum Jubiläumstag. Dies gelte nicht nur materiell. Menschen würden durch die Tafel „ein Stück vor Einsamkeit bewahrt“. Als kleines Dankgeschenk von Seiten der Stadt soll nun im Herbst ein Spaziergang mit allen Ehrenamtlichen folgen – mit zünftigem Kraut- und Zwiebelkuchenessen.
 
„Greifbares bürgerschaftliches Engagement“ sieht auch der Geschäftsführer des Diakonieverbands Günter Klinger in der Bad Uracher Tafel  umgesetzt. Aus seiner Sicht ist ein kleines Unternehmen entstanden, getragen vom Ehrenamt. Klinger ging gleichzeitig auf die „Erfolgsgeschichte“ der Einrichtung ein – für ihn Zeichen „dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird“. Die Finanz- und Wirtschaftskrise verschärfe zusätzlich die Situation. „Wie packen wir die nächsten fünf bis zehn Jahre? lautete seine Anfrage.
 
 Die Bedürftigkeit unter den Menschen im Landkreis nehme zu, meinte auch Klaus Schmidt und wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Landkreis vier Tafelläden notwendig seien. Alle befinden sich in Trägerschaft des Diakonieverbandes. Als Kirchengemeinden seien er und sein katholischer Kollege froh, die Tafel in Bad Urach zu wissen - zumal mit enger Verknüpfung zur Bezirksstelle, die professionelle Hilfe für benachteiligte Menschen leistet. Schmidt wies zudem auf den überreligiösen Charakter der Einrichtung hin, die sich an alle richtet. „Im Blick stehen auch Menschen mit Migrationshintergrund, Familien die beispielsweise bei der islamischen Gemeinde angesiedelt sind“, sagte Schmidt.
 
Nicht nur den Mitarbeitern wird Wertschätzung entgegen gebracht. Auch die Kunden sollen selbstverständlich eine Begegnung auf gleicher Augenhöhe erfahren, wie Diakonie-Geschäftsführer Klinger betonte. „Unsere Kunden“, erläuterte Bezirksstellenleiterin Susanne Schur, „werden persönlich mit Namen begrüßt.“
 
Zunehmend Menschen aus dem Niedriglohnbereich kommen in die Tafel, wie Susanne Schur konstatiert. Männer und Frauen also, die obwohl sie teilweise Ganztagesjobs haben, ergänzend Hartz IV beantragen müssen – so genannte Aufstocker - um über die Runden zu kommen. Hartz IV-Empfänger, Alleinerziehenden, kinderreiche Familien und Rentner am Existenzminimum stellen darüber hinaus die Bad Uracher Tafelkunden. 359 Euro beträgt der aktuelle Regelsatz bei Hartz IV – umgelegt 4,42 Euro am Tag für Essen und Trinken. Kinder bis fünf Jahre müssen mit 2,65 Euro am Tag klar kommen, Kindern und Jugendlichen zwischen fünf bis dreizehn Jahres stehen 3.09 Euro zu und ab 14 sieht der Staat 3,53 Euro am Tag für die Ernährung vor.
 
Im Februar 2004 erlebte die Tafel ihre eigentliche Geburtsstunde – im Rahmen einer ersten Informationsveranstaltung im Bad Uracher Rathaus. Bereits einen Monat später stand ein Mietvertrag kurz vor dem Abschluss. Er kam dann doch nicht zustande, dafür wurden für den jetzigen Standort im Juni 2004 die Verträge abgeschlossen. Es folgten im Sommer  Umbauarbeiten. Eröffnung der Tafel, in der auch die Kleiderstube unterkam, war schließlich am 28. September 2004. Zwei Jahre später zog die Kleiderstube in den benachbarten Gebäudeteil, die Tafelräume erfuhren eine Erweiterung. Doch es gab noch weitere Herausforderungen zu bewältigen, nicht zuletzt die Vorgaben der EU-Lebensmittelverordnung.
 
 
Tafel Bad Urach

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