24.11.2009
Tafel feiert
Zehn Jahre ist die Reutlinger Tafel inzwischen alt. Das Jubiläum wurde vom Diakonieverband Reutlingen gemeinsam mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Gästen gefeiert.
Tafelarbeit, sagte Rolf Göttner vom Vorstand der Landestafeln beim Jubiläums-Festakt, sei immer eine Gratwanderung. Täglich stünden die ehrenamtlichen Mitarbeiter vor der Frage: Wie viel Lebensmittel bekommen wir heute? Gelassenheit, mit diesem Stress umgehen zu können, sei hierbei notwendig. Dass diese Gelassenheit und eine gute Atmosphäre in Reutlingen durchaus gegeben sind zeigten anschließend Beiträge von ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Für Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch dürfte es Tafelläden eigentlich gar nicht geben. „Doch offensichtlich“, sagte die OB, „schafft es unsere Gesellschaft nicht, die Güter gerecht zu verteilen.“ Kritikern, die behaupten, durch die Tafelläden würde Armut zum Normalzustand, hielt sie entgegen, dass Tafeln nie Ersatz für die Daseinsfürsorge sein könnten. Erschreckend sei, dass zunehmend Familien mit kleinen Kindern die Tafel aufsuchten oder Menschen deren Verdienst trotz Vollzeitstelle nicht ausreicht und die teilweise ergänzend Hartz IV-Leistungen in Anspruch nehmen müssen.
Die Zahlen, vorgestellt von Rose Biedermann, die für den Diakonieverband die Tafelarbeit hauptamtlich begleitet, sprechen für sich. 1760 Kundenkarten hat die Reutlinger Tafel ausgestellt. Dahinter verbergen sich ungefähr 4000 Menschen. Während vor zehn Jahren etwa 60 Kunden pro Tag kamen sind es nun 120 bis 130 Kunden täglich. Jede Woche werden zehn Tonnen Lebensmittelspenden von den 60 ehrenamtlichen Helfern abgeholt, aufbereitet, eingeräumt. Dies entspricht 400 Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die sich auf 208 000 Arbeitsstunden im Jahr oder 11,5 Vollzeitstellen summieren.
Im vergangenen Jahr bewältigten die Tafelmitarbeiter außerdem den Umzug in ein neues Domizil in die Rommelsbacher Straße 7. Insgesamt wuchsen die Tafelräume dadurch auf etwa 200 Quadratmeter an. Und während die Essensspenden, wie Günter Klinger, Geschäftsführer des Diakonieverbandes berichtete, anfangs noch mit Privatautos abgeholt werden mussten, verfügt die Tafel heute über drei eigene Fahrzeuge.
Die erste Unterkunft der Reutlinger Tafel in der Rommelsbacher Straße 1 wurde 1289 als Armen- und Siechenhaus eingerichtet, musste dann wegen des großen Bedarfs - wie der Tafelladen - aber erweitert werden. Deshalb wurde 1901 das Bürgerspital gebaut. Dort befinden sich auch die heutigen Tafellräume.
Dekan Dr. Jürgen Mohr ging in seinem Beitrag auf das Gleichnis von der „Speisung der Fünftausend“ ein.
Werner Opitz, Vorsitzender des Diakonieverbandes Reutlingen, nahm außerdem die Ehrung von 18 Mitarbeitern vor, die sich seit Beginn bei der Reutlinger Tafel engagieren: Gerhard Denzel, Diethelm Garlin, Rolf Hartmann, Klaus Kuntz, Fritz Kurz, Inge Lupprich, Hedwig Majer, Hans Mast, Dorothea Mutschler, Birgit Ollmann, Georg Papke, Horst Ringel, Dorothea Sackmann, Margarete Schenk, Brigitte Schreiber, Brigitte Seibert, Ingrid Steiner und Gudrun Topp.
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