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Altes Dekanat mit neuer Nutzung


Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ist das Alte Dekanat in Münsingen am 28. April seiner neuen Bestimmung übergeben worden

 

Aus Dornröschenschlaf erweckt

 

Neues Dach, Fenster ausgetauscht, 72 Fensterläden neu gestrichen, das Dachgeschoss ist zu einer Wohnung ausgebaut worden, in die eine Flüchtlingsfamilie einziehen konnte. Für die Sanierung müsse die Gesamtkirchengemeinde Münsingen nun 128 000 Euro über Spenden, Darlehen und Rücklagen aufbringen, 57 000 Euro würden durch Zuschüsse gedeckt, so Andreas Föhl. Zahlreiche Ehrenamtliche hätten geholfen, darunter auch eine Konfirmandengruppe, wie der Medienbeauftragte der Prälatur Reutlingen in seinem Einladungsschreiben in die Münsinger Martinskirche hervorgehoben hatte.

Am Freitag wurde dort gefeiert, zunächst mit einer Andacht, in der Dekan Michael Karwounopoulos betonte: „Wir hoffen auf einen Ort der kleinen Wunder in dem Alten Dekanat, damit Menschen in ihrem Leben weitergehen können.“ In dem Gebäude werde nämlich mit der Kinderkirche nicht nur die Verkündigung ihren Platz finden, wie Pfarrer Salomo Strauß hervorhob. Auch die Diakonische Bezirksstelle ist dort bereits eingezogen. In der Hoffnung, bedürftigen und notleidenden Menschen auch weiterhin an neuem Standort helfen zu können, sei laut Günter Klinger nun wenigstens „ausreichend Platz für alle Mitarbeiter und für Gruppengespräche“ gefunden worden. Schon seit mehr als zehn Jahren habe die Diakonische Bezirksstelle eine neue Bleibe gesucht, „vor vier Jahren wurden wir das erste Mal über das Alte Dekanat angesprochen“, so der Geschäftsführer des Reutlinger Diakonieverbands. „Dabei habe ich noch nie einen Prozess erlebt, der so lange gedauert hätte“, schüttete Klinger seinen eigenen Worten nach „etwas Wasser in den Wein“.

Architekt Frank Hintzenstern schloss sich dem an: „Ja, es war ein langer Weg – wir haben lange einander zugehört, bis wir gemeinsam Lösungen fanden.“ Das Gebäude am Kirchplatz 2 habe zwar „ein intaktes Skelett“, benötigte aber neue Konzepte für den Brandschutz, für die gesamte Beleuchtung im Haus und noch einiges mehr. „Es ging bei alledem um die Verwirklichung einer Vision“, so Hintzenstern. „Das Alte Dekanat aus dem 17. Jahrhundert ist jetzt aber für einen neuen Lebensabschnitt gerüstet.“ Und bevor er zusammen mit seinem Kollegen Dieter Schmid den gebackenen Schlüssel an Salomo Strauß und DBS-Leiterin Ina Kinkelin-Naegelsbach überreicht, sangen die beiden ein Lied: „Bau nicht dein Haus auf losen Sand, bau es auf einen festen Grund.“

Münsingens Bürgermeister Mike Münzing sprach seinerseits von „neuen Impulsen“, die in dem Alten Dekanat nun gesetzt werden könnten. Er sprach weiter von einem „Identifikationsraum“, von der „Wertschätzung nicht nur des Gebäudes, sondern auch für jene Menschen, die dort künftig Hilfe suchen werden“. Münsings Meinung nach habe sich „bei dem Kleinod, das aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde, der Mut zur Renovierung gelohnt“. Er legte aber auch den Finger in eine offensichtliche Wunde: „Ich hoffe, dass das Gebäude in Zukunft barrierefrei sein wird.“